Öffentliches haten ist so 2015.

Wie ist eigentlich euer täglicher Hate-Workflow? Ich meine, es ist doch so schwierig alles unter einen Hut zu bringen. Zu aller erst muss man all die Leute deren Gesicht einem nicht passt oder die sich einfach super als Opfer eignen bei allen Kanälen folgen. Man muss sich alle Ihre Instagram, Blog und Snapchat Posts ansehen, jegliche Äußerungen merken (Ich rate da ja immer zu einer gut geführten Excelliste) und am besten immer parat haben. OK, da gibts auch die, die sich das recht einfach machen. Ein kurzes „Ich hasse dich“, „Du hässliches Opfer“ oder „Flachtitte“ wird schon seine Wirkung zeigen und man kann getrost schnell beim nächsten Kandidaten weiter haten.

Ich finde Haten die dümmste Zeitbeschäftigung die es gibt. Aber das oben genannte könnte auf den einen oder anderen da draußen doch zustimmen. Denn so kommen mir die Hater manchmal vor. Man kann sie dann in die folgenden Kategorien einstufen.

  1. Der schnell von der Seite Hater: Meist noch recht jung und mit privatem Profil. Er findet einen nur durch Zufall oder durch Verbindungen seiner Freunde. Er erkennt sofort die Schwachstelle seiner Opfer und schlägt eiskalt zu. „Flachtitte“, bumm „Der saß…“ denkt er sich wahrscheinlich. Sein Selbstbewusstsein macht wieder einen kleinen Hüpfer, bis er sich an sein eigenes Leben erinnert und schnell den nächsten Kick mit dem nächsten Opfer sucht.
  2. Der anonyme Langzeitmasochist: Er liebt es sich selbst mit den Beiträgen seiner Opfer zu quälen. Viele Nächte hindurch sieht er sich jeden einzelnen Snap und Post an. Seine Augen schmerzen vom gehassten Bild seiner potentiellen Kandidaten. Wenn der fast schon körperliche Schmerz dann unerträglich wird kommt er endlich zum Zuge: „Ich mochte dich ja immer, aber bei Snapchat sieht man wie du wirklich bist“, „ich hasse dein Snaps, ich kann dich einfach nicht angucken“, „Deine Beiträge nerven so“.
  3. Der unkonstruktive Konstruktivkritiker: Er analysiert die Beiträge sehr genau. Sein höchstes Gut ist die Hilfe und Unterstützung seiner Schützlinge. Er versucht ihnen Fehler aufzuzeigen und mit Ratschlägen zu helfen um die Qualität aller zu steigern. Mit klaren Worten wie „du bist häßlich“, „Iss mal mehr“, „Geschmack kann man anscheinend nicht kaufen“ signalisiert er einem deutlich die zu verbessernden Themen. Auf Nachfrage was er damit bezwecke reagiert er natürlich mit Unverständnis: „Kannst wohl nicht mit Kritik umgehen?“, er hatte ja schließlich nur das Beste im Sinn.
  4. Die wagemutigen Pubertierenden: Nachdem sie sich mit kleinen Feiglingen ordentlich Mut angetrunken haben, gehen sie aufs Ganze. Das Handy wird rausgeholt, Snapchat gestartet und mit einem leicht betrunkenen Grinsen der Stinkfinger gemeinsam in die Kamera gehalten. Ein kurzes Zögern, „jetzt echt?“, „ne schick mal lieber der“, bis dann der Mutigste den „Senden“ Knopf betätigt und man gemeinsam sich freut das Ding durchgezogen zu haben. Zudem man jetzt eine tolle Story für die Schule morgen hat.

Das sind so die typischen Charaktere von denen man Hate abbekommt. Meist sind es richtige „Hate-Follower“, denn die sogenannten „Hater“, (heißt auf Deutsch übrigens Griesgram) schauen einen, obwohl sie dich hassen. Phänomenal. Wie oft muss ich mir anhören, dass meine Snaps „immer wieder“ nerven. Wiesooo zur Hölle schaut man dann immer wieder hin? Ist das so, wie die Assis, die bei einem Unfall nicht wegschauen können, sondern hinstarren müssen, am besten aus der ersten Reihe? Ich würde meine kostbare Zeit niemals verschwenden jemanden 10 Minuten am Abend zu schauen, denn ich auf den Tod nicht abkann! Niemals nicht!

Übrigens auch sehr interessant, wenn man zu hören bekommt, dass man gehasst wird. Hass ist schon ein hartes Wort. Ich zum Beispiel könnte nur Personen hassen die mir oder meinen Lieben absichtlich oder fahrlässig Schlimmes angetan haben. Oder man hasst vielleicht bestimmte Situationen die einem sehr unangenehm sind. Ansonsten empfinde ich nicht wirklich Hass. Ich musste aber schon einige Male lesen, dass man mich hasst. Ich wüsste nicht, dass ich einem meiner Follower etwas getan, sie beleidigt oder beschimpft hätte.

Aber die Hemmschwelle scheint doch immer niedriger zu werden. Gerade bei den Jüngeren. Hier ist es dann auch meist die einfache Provokation oder Beleidigung die herangezogen wird. Für mehr fehlt meist die Kreativität. Ich muss mir dann immer denken, helft lieber Mama im Haushalt, geht mit dem Hund gassi oder lernt lieber für die Schule damit aus euch mal was wird, statt erwachsenen Menschen Fuck-Finger zu schicken. Irgendwie asozial und fremdschämend. Die Jungend repräsentiert ein völlig anderes Bild als noch vor Jahren zuvor. Oftmals fasse ich mir da an den Kopf.

Es sind natürlich nicht nur immer Kids, die einen da angreifen, oftmals auch Erwachsene (meist Typ 2 oder 3). Da wird einem z.B. angekündigt, dass man dafür sorgen werde, dass ich keinen Einlass mehr ins Berghain bekomme. „So eine“ wie mich da zu sehen wäre furchtbar, ich „Opfer“. Da meint man, mit dem Alter wird man erwachsener und vernünftiger, aber naja, ich darf ja nun auch nicht angreifend werden. Es soll ja solche und solche geben, nicht wahr 😉

Übrigens rede ich hier primär von meinen Beleidigungen. Sehe aber täglich Kommentare unter den Bildern anderer Instagram-Usern. Manchmal ist man wirklich kurz baff, weil man nicht glauben kann, was da steht.Oftmals höre/ lese ich den dämlichen Satz „Wer in der Öffentlichkeit steht, der sollte mit negativer Kritik umgehen können.“ ***tze oder „Ich hasse dich so sehr“ sind allerdings keine Kritik, zumindest in meiner Welt. Nur weil man in der Öffentlichkeit steht, muss man sich beschimpfen und beleidigen lassen und dann damit cool umgehen? Verstehe ich nicht ganz! Vielleicht haben das die bekannten Tageszeitung so vorgelebt, Stars und Sternchen öffentlich nieder zu machen und sie öffentlich zu zerfressen, vor Millionen Lesern die täglich in diese Blätter schauen. Das Volk soll mit darauf eingehen und sich eine Meinung über einen „Promi“ bilden, die er nicht kennt.

So glaube ich, wird das auch auf Blogger projiziert und man meint, man darf beleidigen, was das Zeug hält. Wenn man dann kontert und dazu Stellung nimmt, heißt es oft „aha, kannst wohl nicht mit Kritik umgehen“. Ohne, zu sehen, dass der andere auch eine Meinung hat und sich ggf. angegriffen fühlt. Das ist egal, Hauptsache man kann lachend über demjenigen stehen.

Liebe „Hater“, kümmert euch um euer Leben, eure Probleme, eure Familie und Freunde, eure Hausaufgaben und Haustiere. Von nichts kommt nichts. Hört lieber auf damit, sonst wird das bei euch irgendwann wohlmöglich ein Vollzeit-Beruf. Konzentriert euch auf euer Leben und lasst andere leben. Wenn man einen „Blogger / eine Person aus dem Internet“ nicht leiden mag, einfach direkt entfolgen und auf die fokussieren, die man mag und die einem sympathisch sind. Dann habt ihr wieder mehr Spaß am Leben und seid nicht ganz so grimmig 🙂 Dicken Kussi von mir und ich schicke euch ganz viel POSITIVE Energie 😉

Ich will diesen ganzen Beleidigungen nicht mehr zuhören
ich bin so wie ich bin. wenn's dir nicht passt. ENTFOLG MIR!
Verschränkte Arme - ANTI HALTUNG
manchmal geht's unter die Gürtellinie
talk to my...